Neues von der Abraumhalde setzt das EinSatzBuch mit anderen Mitteln fort, das EinSatzBuch bleibt im Archiv erhalten, die EinSatzLeitung ist weiter im EinSatz, versucht sich aber an anderen Themen, das Personal ist nicht mehr selbst Thema, sondern kommentiert mit den Besuchern gemeinsam die EinSätze.
Sonntag, 29. April 2012
60.
Nachdem der Tagebaumeister einsehen musste, dass in der Mine nichts mehr zu holen war, wurde er, wenngleich nicht unmaskiert, vorstellig in der EinSatzLeitung und fragte, was er denn nun tun solle, und die Leitung Oe sagte, es kann doch nicht so schwierig sein, ein paar Projekte zur Begleitung der Abwicklung gescheiterter Kampagnen aufzuziehen, oder?
Mittwoch, 18. April 2012
59.
Was sagen Sie dazu, fragte Karomütze, indem er das Buch http://www.berlinerliteraturkritik.de/detailseite/artikel/ein-fataler-monat.html auf den Tisch der Chefin knallte, und die Chefin sagte, ich weiß nicht recht, sieht erstmal schön aus, nein?
Dienstag, 10. April 2012
58.
Der Biologe in seiner rührenden Naivität war davon überzeugt, dass das Objekt zwischen den Glasscheiben seines Sichtgeräts sich genau so bewegte, wie es sich auch ohne die Glasscheibe und das Mikroskop bewegen würde.
Sonntag, 8. April 2012
57.
Hast du dich schon mal "integriert" gefühlt, fragte der kleine Brachvogel, erinner mich nicht daran, sagte Mo.
Freitag, 6. April 2012
56.
Haben Sie zu Ostern etwas zu sagen, wurde die Chefin von einem ziemlich bedrängt bedrängend wirkenden Anrufer (welchen der Demokratiebeauftragte an sie verwiesen hatte, weil er sich durch ihn nicht abwimmeln ließ) gefragt, und sie antwortete, ja, sicher, besonders Ihnen an Ihr eifervolles Herz gelegt: man kann die Freiheit nicht durch ihr Gegenteil verteidigen, und wer die Herzen prüfen will, wird sie verlieren, in diesem Sinne ein frohes Fest den Feiernden.
Sonntag, 1. April 2012
55.
Es ist nötig geworden, wieder einmal zu sagen, dass die Idee, von einem anderen Menschen Vertrauen zu fordern und ihn zum Problem zu erklären, weil er kein Vertrauen habe, die totale Bankrotterklärung eines jeden Menschen ist, der ihr anheimfällt - wenn ich, um ein ganz einfaches Beispiel zu nennen, glaube, meinen Kindern vorhalten zu sollen, dass sie mir nicht vertrauen, habe ich soeben bewiesen, dass ich ihr Vertrauen nicht verdiene.
Freitag, 16. März 2012
54.B
Der Impuls, einem Unrecht, gar einer mörderischen Untat zu widerstehen, ist stets Ausdruck der höchsten Bereitschaft, die Achtung vor der Allgemeinheit der Menschen und darum den Schutz eines JEDEN Individuums zur eigenen Sache zu machen. Er ist also, wo er in einem Menschen auftaucht, Ausdruck des höchsten Bewußtseins der Gleichheit der Menschen und der innigsten Verbundenheit eines Menschen mit der Gesamtheit seiner Mitmenschen. Und doch wird er zu einer Absonderlichkeit und einem individuellen oder dem partikularen Spleen einer kleinen Gruppe, wo immer sich eine große Gruppe von Menschen gegen eine andere oder gegen einen ausgestoßenen Einzelnen zusammentut. Wer einer solchen Gruppe widersteht, deren Zusammenschluß auf einer wie auch immer sublimierten Form des Menschenopfers beruht, riskiert damit, selbst das nächste Opfer zu werden. Und dennoch ist er in einer solchen Konfiguration der Einzige, der die Allgemeinheit der Menschen gerade vollzieht, indem er das Risiko seiner Aussonderung nicht scheut, und er scheint sogar der Einzige zu sein, der die Realitätstauglichkeit der Idee der Freiheit verbürgt. Dies gilt vollkommen unabhängig von allen mehr oder weniger vernünftigen Begründungen der Zusammenschlüsse starker gegen schwache, vieler gegen wenige, aller gegen einen Menschen, und es gilt leider auch unabhängig davon, ob der zum Opfer ausersehene Mensch oder die Menschengruppe selbst ein Interesse an der Allgemeinheit oder Freiheit hat oder nicht, denn wer in die Gewalt von anderen fällt, wird ja dadurch der eigenen Handlungsmöglichkeiten beraubt. Der einzige Mensch also, der in solchen Konstellationen die allgemeinste Bestimmung der Menschen zur Freiheit lebendig erscheinen läßt, ist genau der Mensch, der, obwohl selbst bei Passivität oder Teilnahme an der Jagd nicht in unmittelbarer Gefahr (und insofern aus Freiheit und um der Freiheit willen), sich von den anderen, häufig seinen Nächsten, absondert, um den gefährdeten Anderen und die Selbstachtung seiner eigenen Gruppe zu retten. Auf dieser Erfahrung beruht die mögliche und auch die schreckliche Wahrheit eines jeden Erwählungsgedankens.
Abonnieren
Posts (Atom)